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ENCOD BULLETIN 46

Veröffentlicht am Freitag 5. Dezember 2008 10:20, von encod . Bearbeitet am Freitag 5. Dezember 2008 10:19

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ENCOD BULLETIN ZUR EUROPÄISCHEN DROGENPOLITIK

NR: 46 DEZEMBER 2008

EINE FRISCHE BRISE IN DER BEWEGUNG


Es geschieht etwas. Eine erfrischende Brise reinigt die staubige Atmosphäre der Drogendebatte. Man sagt, Krisenzeiten stimulieren die Welt dazu, neue Formen sozialer Organisation auszuarbeiten ... oder Organisationsformen wiederzubeleben, die jahrhundertelang unsichtbar blieben. Entwickeln wir uns weiter vom Protest zum Angebot? Definitiv ja.

Vom 21. bis zum 23. November fand in Murguía, Baskenland, der Workshop "Drogen und Diplomatie" statt. Thema war die Teilnahme von Organisationen von Drogenkonsumenten in der Drogendebatte. Dieser von Xabier Arana of Ekimen, einer Vereinigung angesehener Forscher aus dem Baskenland, geleitete Workshop stellt einen Teil einer Studie zu dieser Thematik dar, die von ENCOD mit der Unterstützung des drogenpolitischen Dezernates des Baskenlandes durchgeführt wird. 24 Vertreter von 17 verschiedenen Organisationen und Netzwerken wie GANJAZZ, LA REGARDERA, AI LAKET, PANNANGH, COMISIÓN CIUDADANA ANTISIDA DE ÁLAVA, GANJAZZ ART CLUB, PAOTXA, INPUD, LCA, PIC, MDHG, AKZEPT, FAC, FAUDAS, FEDERACIÓN ENLACE und ENERGY CONTROL, trafen in idyllischer Umgebung aufeinander. Analysiert wurden die Vor- und Nachteile einer Mitwirkung bei der Gestaltung und Anwendung von Drogenpolitik durch User-Organisationen, sowie die Gefahren und Möglichkeiten, mit denen wir dabei konfrontiert werden könnten. Der Report mit den Ergebnissen der Studie sowie ein Videoreport werden in den kommenden Monaten vorgestellt.

Neben der Untersuchung der Situation der drogenpolitischen Bewegungen und der Verbesserungsstrategien für unsere Effektivität, die in sehr transparenter Weise durchgeführt wird, haben wir in Murguía konkrete Empfehlungen für den kommenden drogenpolitischen Plan der baskischen Regierung ausgearbeitet. Auch ein alternativer Drogenaktionsplan für die Europäische Union, durch den der aktuelle Entwurf der Europäischen Kommission besser ersetzt werden sollte, wurde erstellt. Die Empfehlungen der Regierung des Baskenlandes werden in einem Report an einem Meeting präsentiert, welches zum diesem Zwecke organisiert wird, der alternative Aktionsplan wird während des kommenden Zivilgesellschaftlichen Forums zur Drogenpolitik der EU vorgestellt.

Der Workshop in Murguía repräsentiert eine qualitative Verbesserung der Bewegung für eine Reform der Drogenpolitik. Es ist ein historischer Moment für soziale Bewegungen, insbesondere für solche, die von Grund auf von den Bürgern geformt wurden: wir entwickeln uns vom Protest zum Angebot, und nicht zu einem theoretischen, sondern zu einem Ansatz, der sich durch einen Prozess häufiger tiefer Reflexion materialisiert hat. Ausserdem konnten wir solche Bequemlichkeiten wie simultane Übersetzung, komfortable Tagungsräume etc. genießen, was die Arbeit enorm erleichtert hat.

Wir beginnen auch, zu erkennen, dass das globale Ziel lokale Probleme [Einzelpersonen, Protagonisten, interne Streitigkeiten etc.] sowie globale Schwierigkeiten [heilige und stigmatisierte Substanzen, Dringlichkeit versus Tragweite etc.] überragt. Wir beobachten die Entstehung eines gemeinhin einigen Projektes, das mehr und mehr Ganzheit und Bedeutung erlangt.

Zwar ist diese Zielvorstellung schon immer präsent in der Auffassung von ENCOD, einer Koalition, die seit 1994 von 20 Organisationen auf 150 in 26 verschiedenen Ländern angewachsen ist. Doch konnten wir in Murguía erneut feststellen, dass wir alle ENCOD sind, dass wir alle etwas zu ENCOD beizutragen haben, dass ein echtes Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Netzwerk und der Kooperation mit anderen da ist. Trotz der Offensichtlichkeit ist es wichtig, sich daran ab und an zu erinnern.

All dies wäre nicht möglich gewesen ohne die tatkräftige Unterstützung zweier Personen: Iker Val [vom Ganjazz Art Club] und Iker Giraldo Cuadrado [La Regardera], die sich der Idee annahmen, die während der Generalversammlung lanciert wurde. In nur 4 Monaten haben sie sie in Realität umgesetzt.

Die Synergien kommen auch in der Welt der Cannabis Social Clubs zusammen. Die Föderation der Cannabis-Vereinigungen in Spanien arbeitet seit den vergangenen Monaten an einem Konsensdokument mit Ratschlägen zur Gründung eines Cannabis-Konsumentenclubs, der über die meisten grundlegenen Standarts verfügen würde [Gesetze, Regeln für die Eintragung eines Vereines, etc.] sowie breiteren Themen wie legalen Lösungen, die aktuell etabliert sind. Dies war der erste Schritt zur Ausarbeitung eines zweiten Dokumentes, welches sich an die spanische Regierung mit Vorschlägen bezüglich der möglichen Regulierung solcher Clubs richtet. Der dritte Schritt wird die interne Reglementierung für die Funktionsweise der Clubs sein, welche die bisherigen Betriebsstandarts für alle assoziierten Clubs erleichtern wird.

All dies ist kein isolierter Prozess; er findet in einem Moment statt, in dem uns von der anderen Seite des Atlantiks Seile zugeworfen werden, um die Verbindung zum anderen extremen Ende einer Kette zu erhalten, welche immer diffuser wird [Konsumenten werden zu Erzeugern, und in produzierenden Ländern konsumieren die Anbauer traditionell seit früheren Epochen]. ENCOD ist kurz davor, eine Übereinkunft mit Kokabauer-Organisationen in Bolivien zu unterschreiben, um Initiativen von Kokabauer-Gemeinden zu fördern, die der Erlangung wirtschaftlicher Unabhängigkeit in einem Rahmen integrierter und nachhaltiger Entwicklung dienen; legale Vertriebskanäle für die traditionellen Derivate des Kokablattes werden erschlossen und diplomatische Aktionen der Bevölkerung organisiert, um die internationale Entkriminalisierung des Kokablattes bei internationalen Organen zu beantragen.

Für diese Projekte werden wir Anfang März in Zusammenarbeit mit MEPs im Europäischen Parlament eine Konferenz zur Thematik der Aufwertung der Kokapflanze duch legale Vermarktung ihrer Produkte in Europa organisieren.

Wir wünschen uns die Anwesenheit von Vertretern der Kokabauer-Organisationen, um öffentlich die Vereinbarung präsentieren zu können, die bis dahin hoffentlich unterschrieben sein wird.

So wie der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Hurrican auslösen kann, hoffen wir, dass diese frische Brise in der Bewegung die physikalischen und ideologischen Grenzen überwindet und die notwendige Kraft erlangt, die Mauer der Prohibition [möglicherweise] zu brechen.

Von: Virginia Montañés Sánchez (mit Hilfe von Peter Webster)

Übersetzt durch koshka

Dank an José Afuera Gómez, of FAC, für die Information zu Cannabis Social Clubs in Spanien.

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